"Greiser"-Studie

Unter dem Titel "Risikofaktor nächtlicher Fluglärm. Abschlussbericht über eine Fall-Kontroll-Studie zu kardiovaskulären und psychischen Erkrankungen im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn" veröffentlichte das Umweltbundesamt im Jahr 2010 eine Studie von Eberhard und Claudia Greiser.* Dieser Bericht kann hier heruntergeladen werden. Die Studie sollte den

“den möglichen Einfluss von Fluglärm, insbesondere von nächtlichem Fluglärm auf das Erkrankungsrisiko von Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs und von psychischen Erkrankungen […] ermitteln. Zu diesem Zweck wurden die Daten von mehr als 1.020 Millionen Versicherten gesetzlicher Krankenkassen mit Hauptwohnsitz in der Studienregion (Stadt Köln, Rhein-Sieg-Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis) mit Daten des
Umgebungslärms (Fluglärm, Straßenverkehrslärm, Schienenverkehrslärm) […] ausgewertet.” (5)

Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: “Es zeigen sich bei nahezu allen Analysen stärker erhöhte Erkrankungsrisiken bei der Teilpopulation mit Fluglärmbelastung […].” (ebd.) In der Studie wird auch erwähnt, dass von wissenschaftlicher Seite seit den 1970er Jahren die Vermutung geäußert wurde, dass Fluglärm, insbesondere in der Nacht, krank machen könne. Verschiedene Studien aus verschiedenen Ländern konnten nachweisen, dass dies tatsächlich so sein müsse. Auffallend ist, dass alle Studien zu dem Ergebnis kommen, dass insbesondere Herz- und Kreislauferkrankungen vermehrt da auftreten, wo Menschen nächtlichem Fluglärm ausgesetzt sind. Es gibt also vergleichbare Ergebnisse bei unterschiedlicher Fragestellung und methodischer Herangehensweise. Ähnliches wurde auch für den Flughafen Köln-Bonn festgestellt:

In einer im Auftrage des Umweltbundesamtes durchgeführten epidemiologischen Studie um den Flughafen Köln-Bonn fanden sich schließlich mit zunehmendem Dauerschallpegel ansteigende Verordnungshäufigkeiten von blutdrucksenkenden Arzneimitteln und von anderen Arzneimitteln zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen.” (8)

Abschließend heißt es:

“Eine Diskussion der vorhandenen wissenschaftlichen Evidenz zeigt, dass für Herz- und Kreislauferkrankungen die epidemiologischen Kriterien für die Feststellung eines ursächlichen Zusammenhangs zu Expositionen gegenüber Fluglärm erfüllt sind.” (31)

Dies bedeutet, dass die negativen Auswirkungen des Nachtfluglärms auf die Gesundheit mit dieser Studie festgestellt werden konnte.

Die Belege sind da. Die Belege sind seit mehreren Jahren vorhanden, in anderen Ländern wurden auf Basis der bedrückenden Beweislast Gesetze zur Eindämmung des Nachtflugs beschlossen. In NRW ist es anders: Politiker aller Parteien, die an Entscheidungen über den Nachtflug am Flughafen Köln-Bonn im Verlauf mehrerer Jahre beteiligt waren (CDU, FDP, SPD und Grüne), haben jegliche vorhandenen Studien missachtet und setzen ihre Bevölkerung aktiv und bewusst einer Gesundheitsschädigung aus. Schade, oder?

 

* Greiser, Eberhard/ Greiser, Claudia: Risikofaktor nächtlicher Fluglärm. Abschlussbericht über eine Fall-Kontroll-Studie zu kardiovaskulären und psychischen Erkrankungen im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn. Herausgegeben vom Umweltbundesamt, Schriftenreihe Umwelt & Gesundheit 1/2010. Online unter: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/3774.html

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bundestagswahl 2021 – Kandidat*innen des Wahlkreises Köln III zum Fluglärm

Petition: Verhinderung einer Nachtfluggenehmigung bis 2050

Initiative warnt vor zuviel Fluglärm